USA: Wieder klagt ein Indianerstamm gegen ein Casino

In der letzten Zeit häufen sich in den USA nicht nur die Beschwerden der Indianerstämme gegen verschiedene Casinos, in einigen Bundestaaten gehen die Ureinwohner auch noch einen Schritt weiter. So zum Beispiel in Alabama, wo der ansässige Indianerstamm der Muscogee Nation jetzt eine Klage gegen das Poarch Casino Resort eingereicht hat. Wie die Indianer behaupten, habe man durch den Bau des Casinos eine heilige Grabstätte entweiht – und ganz aus der Luft gegriffen scheinen diese Vorwürfe nicht.

Entweihung einer heiligen Grabesstätte?

Zumindest aus emotionaler Sicht wiegen die Vorwürfe des Indianerstammes aus Alabama schwer. Dieser reichte eine offizielle Bundesklage ein und erklärt in dieser, dass die sogenannte „Hickory Ground“-Grabesstätte wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzt wird. Das wiederum würde bedeuten, dass das dort ansässige Poarch Casino abgerissen werden müsste. Genau das scheinen die Indianer zu wollen, denn so heißt es in der Klage, dass dieses Casino die „menschlichen Überreste von unzähligen Vorfahren entweihe“. Zusätzlich dazu erklärte die Muscogee Nation, dass die Poarch Band das Casino ohne Rücksicht auf etwaige Gesetzesvorgaben errichtet habe.

In einer Erklärung von Mekko George Thompson, dem Leiter des Hickory Ground Tribal Town, heißt es: „Kein Geldbetrag ist es wert, unseren Glauben zu verraten und unsere Vorfahren zu missachten. Dieses Land ist heiliger Boden und es muss in seinen heiligen Urzustand zurückversetzt werden. Wir kämpfen damit nicht nur für unsere heutigen Stammesmitglieder, sondern ebenso für unsere Ältesten und für zukünftige Generationen.“ Gleichzeitig erklärte Thompson auch, dass man der Entwicklung und dem Fortschritt nicht im Wege stehen wolle, es sich beim „Friedhof aber um keinen Ort für ein Casino“ handele. „Die Überreste unserer Vorfahren und Kulturgüter müssen in ihrer ursprünglichen Ruhestätte in Frieden gelassen werden“, so Thompson.

Historisch bedeutsamer Ort

Tatsächlich kann der Hickory Ground als denkbar historisch bedeutsames Territorium bezeichnet werden – speziell für die USA. Diese standen nach ihrer Neugründung enorm unter Druck und wurden von anderen Nationen wie Frankreich oder England zunehmend bedrängt. Daraufhin wurde genau am Hickory Ground von Präsident George Washington ein Vertrag mit zwei Indianerstämmen geschlossen, welcher den USA zur notwendigen Souveränität im Duell mit den anderen Nationen verhelfen konnte. Das Casino entweihe daher auch eine „Quelle der Souveränität der Vereinigten Staaten“, erklärt Thompson. Zusätzlich dazu war Hickory Ground sogar lange Zeit die Hauptstadt es dortigen Indianerstammes der Muscogee Nation, ehe diese gewaltsam in die Region des heutigen Oklahomas umgesiedelt wurden. Im Prinzip tobt seit dem der Konflikt zwischen dem Betreiber-Stamm, der Poarch Band of Creek Indians und den Muscogee.

Die Muscogee Nation ist dabei der Meinung, dass der Bau des Poarch Casinos gegen mehrere Bundesgesetze verstoßen soll. So zum Beispiel gegen das Denkmalschutzgesetz aus dem Jahre 1966, gegen das Indianerschutzgesetz von 1934 oder gegen das Religionsschutzgesetz. Bereits seit mehreren Jahren tobt daher ein Rechtstreit zwischen beiden Stämmen, der wohl auch in den kommenden Jahren noch kein Ende finden wird.

Was fordert die Muscogee Nation?

Klar ist in den Augen der Muscogee Nation, dass es für den weiteren Umgang mit dem Casino nur eine Lösung geben kann: Den Abriss. Im Detail pocht man auf diesen Punkt, da es sich in den Augen der Indianer um eine „rechtswidrige Grabschändung“ handelt. Gefordert wird zudem, dass die Stätte wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzt wird. Doch damit nicht genug: Wie Thompson erklärte, wolle man auch von den Poarch-Indianern auch einen finanziellen Schadenersatz einfordern, da man einer enormen emotionalen Belastung ausgesetzt seit. Selbst der Stammeshäuptling der Muscogee, Chief James Floyd, hat sich hierzu geäußert und erklärte: „Wir haben die Poarch Band damit betraut, diesen Boden auf ewig zu erhalten. Das ist es, was uns versprochen wurde. Doch genau das haben sie nicht eingehalten. Sie haben nicht nur eine äußerst wichtige kulturelle, historische und archäologische Stätte entweiht, sondern auch die Überreste unserer Ahnen und heilige Objekte ausgegraben. Sie haben dabei keinerlei Reue gezeigt.“

Wie sich dieser Konflikt in den kommenden Monaten und wohl auch Jahren noch entwickeln wird, bleibt erst einmal abzuwarten. Allerdings ist der Konflikt in gewisser Weise ein Sonderfall, da es sich um eine Debatte zwischen zwei Indianerstämmen handelt. In der Regel beziehen sich die Rechtstreitigkeiten auf Fälle zwischen Indianerstämmen und Unternehmen. Einen ganz ähnlichen Fall gibt es aktuell zudem in Pennsylvania, wo sich der Glücksspielgigant von Penn Gaming gegen einen heftigen Protest der Amisch wehren muss.