Flutter: Tochter Sportsbet kassiert Schlappe in Australien

Der irische Glücksspielkonzern Flutter Entertainment ist auch in Australien eine echte Macht. Auch, weil man mit Sportsbet das umsatzstärkste Sportwetten-Angebot des Landes zur Verfügung stellen kann. Schon seit 1993 ist der Buchmacher aktiv und besitz laut Experten einen Marktanteil von rund 26 Prozent. Ein echter Gigant also, der jetzt allerdings in Australien auf steifen Gegenwind gestoßen ist. Dabei geht es um die Einbehaltung von eigentlich rechtmäßigen Gewinnen, die nun aber vom Unternehmen doch an die Kunden herausgegeben werden müssen. Das entschied vor wenigen Stunden die Northern Territory Racing Commission (NRTC). Insgesamt geht es dabei um eine Summe von umgerechnet mehr als 5,5 Millionen Euro.

Eigene Wette kostet das Unternehmen Millionen

Der Ursprung des Ärgers für Flutter Entertainment bzw. dessen australische Tochter Sportsbet liegt in einer ursprünglich angebotenen Wette des Glücksspielunternehmens. Diese bezog sich auf die australische Football League (AFL) und die dortige zehnte Runde der Saison 2019. Angeboten wurde vom Buchmacher eine Wette darauf, ob ein Spieler es schaffen würde, 40 oder mehr erfolgreiche Pässe in dieser Runde zu spielen. Enorm viele Kunden sollen auf diese Wette eingestiegen sein und sich dazu entschieden haben, gegen diese Annahme zu wetten. Der Grund: In den vorherigen neun Runden ist es lediglich vier Spielern gelungen, mindestens 40 Pässe erfolgreich zu spielen.

In der Tat konnte der Wert in der zehnten Runde von keinem Spieler erreicht werden. Für die Kunden von Sportsbet war dies zu jenem Zeitpunkt allerdings schon nicht mehr relevant. Der Anbieter hatte sich noch vor dem Start der zehnten Runde dazu entschieden, die Wette wieder aus dem Programm zu nehmen. Offenbar hatte sich Sportsbet hier gehörig verkalkuliert und wollte dann einen Quotenfehler für das Storno der Wette verantwortlich machen. Das allerdings ließen sich die Kunden nicht bieten.

Beschwerde bei der NRTC bringt Erfolg

Aufgrund des Verhaltens von Sportsbet reichten daraufhin zahlreiche Kunden des Unternehmens eine Beschwerde bei der NRTC ein und bemängelten hier das Vorgehen des Buchmachers. Zudem verlangten die Kunden die Auszahlung der in ihren Augen rechtmäßig erzielten Gewinne. Nachdem die australische Behörde die Fälle erst einmal prüfte, kam diese zum Entschluss, dass Sportsbet die Gewinne tatsächlich unrechtmäßig einbehalten hat. Die Folge: Die Behörde verurteilte den Konzern dazu, seinen Kunden die Wettgewinne auszuzahlen. Immerhin eine Summe von rund neun Millionen australischen Dollar, rund 5,57 Millionen Euro. Wie viele Kunden genau von diesem Fall betroffen waren, wurde bisher nicht bekannt. Ebenso, wie hoch die Anzahl der Kunden ausfällt, die sich über das Verhalten beschwert haben. Laut Experten sollen allerdings mindestens 2.000 Kunden betroffen sein.

„Alle Personen, die eine Gewinnwette auf eine beliebige oder alle von Sportsbet AFL +40-Angeboten abgeschlossen haben (…), haben Anspruch darauf, den Gesamtbetrag der Gewinnwette ausgezahlt zu bekommen“,so die NRTC in ihrem Statement dazu. Angeboten wurde die ursprüngliche Wette offenbar mit einer Wettquote von 1,75, weshalb die Kunden eine Herauszahlung von 1,75 AUD auf jeden gesetzten AUD verlangten. Das Urteil der NRTC wurde vom Glücksspielanbieter bereits akzeptiert. Dieser meldete sich über das sozialen Netzwerk Twitter bei seinen Fans und teilte diesen mit, dass man die Gelder schnellstmöglich auf das Wettkonto überweisen werde und auch zügig den Kontakt zu den betroffenen Kunden suche.

Unruhen auf dem australischen Glücksspielmarkt

Rund um den australischen Glücksspielmarkt ist der aktuelle Fall keinesfalls die einzige Debatte, die für Unruhe sorgt. Erst vor wenigen Monaten etwa stand Sportsbet aufgrund eines ganz ähnlichen Falls schon einmal im Fokus. Damals wurde ebenfalls eine Wette angeboten, die anschließend aufgrund einer „fehlerhaften Gestaltung“ wieder aus dem Programm genommen wurde. Allerdings gab es damals Zuspruch von der NRTC, so dass der Anbieter die vermeintlichen Gewinne nicht auszahlen musste. Kritisiert wurde Sportsbet von der Behörde allerdings schon damals dafür, dass die Spieler nicht ausreichend über das Storno der Wette aufgeklärt worden sein. Abgesehen von Sportsbet sind es allerdings derzeit vor allem die Crown Resorts, die für Aufsehen sorgen. Jüngst musste sich Firmenchef John Alexander hier in einem Geschäftsmeeting zu schweren Vorwürfen äußern, die von verschiedenen australischen Medien erhoben wurden.

Im Detail geht es hierbei unter anderem um den Vorwurf der Geldwäsche und der Bestechung. So sollen die Crown Resorts es wissentlich zugelassen haben, dass innerhalb des Casinos in Melbourne Geldwäsche in großem Stil betrieben wurde. Ebenso soll das Unternehmen eng mit illegalen Anbietern aus Macau und China kooperiert haben, um besonders wohlhabende Spieler aus Asien in die eigenen Hallen zu lotsen. Besonders schwer wiegt in diesem Zusammenhang auch der Vorwurf der Bestechung. So wird den Crown Resorts und Teilen der Einreisebehörden vorgeworfen, bei den Visa-Angaben für die chinesischen Spieler getrickst zu haben, um diese möglichst problemlos ins Land zu bekommen. Sollten sich diese Vorwürfe bestätigen, dürften die Konsequenzen für den Konzern massiv sein. Firmenchef Alexander allerdings wies die Vorwürfe auf dem jüngsten Geschäftsmeeting als unglaubwürdig ab und bezeichnete die Arbeit der Medien als „Ant-Crown-Kampagne“. Der Konzern hätte niemals mit illegalen Handlungen zu tun gehabt und werde dies auch in Zukunft nicht tun, so Alexander. Abgeschlossen sind die Ermittlungen in diesem spektakulären Fall aber noch lange nicht.