Österreich: Land fordert über 200 Millionen Euro von Zanoni-Casinos

So viel steht fest: Das Land Österreich und der Casino-König Peter Zanoni werden in diesem Leben keine Freunde mehr. In den vergangenen Jahren der Besitzer der Montesino- und Concord Card Casionos zahlreiche Rechtsstreitigkeiten mit den Behörden des Landes geführt. Teilweise mit kleinen Erfolgen, oftmals auch mit größeren Rückschlägen. Eine besonders heftige Schlappe holte sich Zanoni jetzt mit seiner „Montesino Entertainment Group GmbH“ ab, denn gegen die wurde ein Konkursverfahren eröffnet. Konkret geht es dabei um gleich mehrere Forderungen der österreichischen Finanzprokuratur für das Finanzministerium in Höhe von rund 203 Millionen Euro.

Finanzbehörden fordern 203 Millionen Euro Abgabenzahlungen

Es scheint ganz so, als hätte sich der mächtige Casino-Boss Peter Zanoni aktuell richtig stark „verzockt“. Der Besitzer der Montesino- und der Concord Card Casinos hat sein Firmenimperium zu einer echten Macht in Österreich heranwachsen lassen und dabei ein Vermögen verdient. Allerdings gibt es laut der Finanzbehörden offenbar eine Menge Unklarheiten, die in der Vergangenheit immer wieder dafür gesorgt hatten, dass sich Zanoni mit den Behörden auseinandersetzen musste. Es tobte jahrzehntelang ein Rechtsstreit, der jetzt ganz offenbar zu Gunsten der Behörden kippt. Wie heute bekannt wurde, hat die österreichische Finanzprokuratur ein Konkursverfahren eröffnen lassen und fordert hier eine Summe von rund 203 Millionen Euro von insgesamt vier Unternehmen Zanonis.

Zanoni bzw. dessen Unternehmen sollen diese riesige Summe jetzt zahlen, nachdem der Casino-König beim dazugehörigen Verfahren am Verwaltungsgerichtshof bereits eine Niederlage kassierte. Zanoni wehrte sich daraufhin offenbar mit einer sogenannten Staatshaftungsklage, die nun vom Verfassungsgerichtshof bewertet werden muss. Gut stehen die Chancen für Zanoni allerdings nicht, denn vor dem Verfassungsgerichtshof gab es für den Casino-Mogul bereits Pleiten.

Lebenswerk wackelt gewaltig

Dennoch ist klar, dass sch Zanoni auf keinen Fall einfach so aufgeben wird. Immerhin geht es für den cleveren Unternehmer um nicht weniger, als um sein Lebenswerk. So wurde er jüngst erst zu einer Nachzahlung der Kriegsopferabgabe in Vorarlberg verurteilt, wo nun rund 100 Millionen Euro gezahlt werden müssen. Laut Unternehmen bedrohen derartige Forderungen die Struktur und Arbeitsweise des Unternehmens, Zanoni klagte sich daher rund 20 Jahre lang von Gerichtsverfahren zu Gerichtsverfahren – und steht jetzt vor einem großen Problem. Seine Casinos leben auch von den zahlreichen Pokerspielern, das Pokerspiel darf ab Ende des Jahres aber nur mit spezieller Lizenz angeboten werden. Das Lebenswerk von Zanoni wackelt also gewaltig und es könnte im schlimmsten Fall so laufen, dass neben enormen Schulden auch noch ein Verlust der eigenen Casinos in Kauf genommen werden müsste.

Und es sieht wahrlich nicht gut aus für die Montesino Entertainment Group GmbH. Laut „Crediteform“ liegt die Eigenkapitalquote des Unternehmens bei minus 5472 Prozent, das negative Eigenkapital lag im Jahr 2017 bei über 130,47 Millionen Euro, der Bilanzverlust wurde auf 131,26 Millionen Euro beziffert. Die Aktiva wiederum liegen bei nur 2,38 Millionen Euro, rund 500.000 Euro davon befinden sich als Bankguthaben auf einem Konto. Rabenschwarze Zahlen, für welche die Geschäftsführung des Unternehmens aber offenbar eine Erklärung hat. So teilte man mit: „Ob die Abgabenschuldnerin als Gewerbebetrieb, der erstmals mit 01. Jänner 2011 in Kraft getretenen Glücksspielabgabepflicht unterliegt, ist noch umstritten und höchstgerichtlich nicht geklärt. Diese Abgabe wird in exorbitanter Höhe – nämlich in Höhe des fünffachen der monatlichen Bruttoeinnahmen – vorgeschrieben.“ Weiter erklärt das Unternehmen: „Für das Jahr 2017 wurden der Abgabenschuldnerin rund 48,448 Millionen Euro an Glücksspielabgabe vorgeschrieben. Die Abgabenschuldnerin vertritt den Standpunkt, dass sie nicht der Glücksspielabgabe unterliegt und hat daher Nullmeldungen erstattet und zeitlich einen Feststellungsbescheid gemäß § 201 BAO beantragt.“

Alles hängt an eigenen Klagen

Wie es mit der Gesellschaft nun genau weitergehen soll, ist vor allem von einer Entscheidung der Europäischen Kommission abhängig. Genau hier hat die Unternehmensgruppe nämlich eine eigene Klage eingereicht und fordert Schadenersatz in Höhe von 321,738 Millionen Euro ein. Das Unternehmen erklärt dazu: „Wird der Rechtsansicht der Abgabenschuldnerin in den national, bzw. international anhängigen Verfahren gefolgt und den Beschwerden bzw. Klagen stattgegeben, und die Chancen stehen nach Ansicht namhafter Rechtsexperten sehr gut, so hätte unter Außerachtlassung der Glücksspielabgabe und der damit direkt verbundenen Nebengebühren die Gesellschaft stets mit einem positiven Eigenkapital bilanziert.“ Heißt also im Klartext: „Wird den Klagen stattgegeben, so ist die Gesellschaft nicht insolvenzgefährdet.“ Bleibt aus Sicht von Zanoni und seinen Angestellten also nur noch zu hoffen, dass die Europäische Kommission hier tatsächlich die Meinung der Unternehmensgruppe teilt. Andernfalls dürfte es für die Zanoni-Casinos richtig düster werden und eine Insolvenz ließe sich kaum mehr vermeiden.