Großbritannien: Verschwindet die Trikotwerbung der Glücksspielunternehmen?

Seit wenigen Stunden rollt in der britischen Premier League der Ball für die neue Saison. Große Diskussionen gibt es dabei vor allem abseits des Platzes. Angeregt hat die ausgerechnet das Glücksspielunternehmen PaddyPower. Die Marke des Konzerns Flutter Entertainment setzt sich in der Kampagne „Save our Shirt“ dafür ein, dass künftig im Profifußball keine Werbung mehr auf den Trikots der Vereine zu finden ist. Ob diese Idee auch bei den anderen Unternehmen der Branche auf Zuspruch stößt, ist allerdings noch vollkommen unklar.

Save our Shirt: Rettet unsere Hemden

In Italien wurde im Profifußball bereits ein Werbeverbot für Glücksspielunternehmen umgesetzt. Etwas Ähnliches deutet sich zumindest in Ansätzen auch in Großbritannien an. Allerdings stammt der Impuls hier nicht etwa von der zuständigen Glücksspielbehörde, sondern höchst selbst von einem Unternehmen der Branche. Bereits vor kurzer Zeit erklärten hier auch einige Unternehmen, die Abgaben an den Staat auf freiwilliger Basis künftig zu erhöhen. Jetzt folgt offenbar der nächste Schritt. Mit einer höchst kuriosen Aktion hat der Glücksspielanbieter PaddyPower auf seine Kampagne „Save our Shirt“ aufmerksam gemacht. Hierbei geht es darum, die Trikots der Fußballvereine in den Profiligen in ihren „natürlichen“ Zustand zurückzuversetzen und damit auf Werbung auf den Trikots zu verzichten.

PaddyPower hat sich hierfür etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Bereits vor dem Saisonstart wurde ein „offizielles“ Trikot des Vereins Huddersfield Town präsentiert. Allerdings war dieses als solches fast nicht mehr zu erkennen und wurde im Wesentlichen von einem großen Bandana des Glücksspielunternehmens dominiert. PaddyPower erntete hierfür zunächst enorme Kritik und auch Huddersfield Town geriet ins Visier des zuständigen Fußballverbandes FA. Kurz danach kam heraus: Alles nur ein Scherz! PaddyPower wollte mit der Werbung lediglich die eigene Kampagne vorantreiben und darauf aufmerksam machen, dass die Werbung auf den Fußalltrikots Überhand nehme.

Huddersfield läuft ohne Sponsor auf

In der gerade gestarteten Premier-League-Saison wird die Truppe von Huddersfield Town also ohne einen Trikotsponsor auflaufen, wie Victor Corcoran als Marketingdirektor von PaddyPower erklärte. Zusätzlich dazu rief Corcoran andere Unternehmen der Glücksspielbranche dazu auf, ebenfalls auf die Glücksspielwerbung zu verzichten. So erklärte dieser: „Die Trikotsponsoren im Fußball sind zu weit gegangen. Wir haben akzeptiert, dass es eine Rolle für Sponsoren rund um den Fußball gibt, aber das Hemd sollte im Namen der Fans heilig bleiben. Deshalb rufen wir heute auch andere Sponsoren dazu auf, sich der Save-Our-Shirt-Kampagne anzuschließend und den Fans so etwas zurückzuzahlen. Als Sponsoren sollten wir unseren Platz kennen und der ist nicht auf dem Trikot.“

Zuspruch bekommt der britische Glücksspielkonzern aktuell vor allem von der Werbeagentur Octagon, die erklärte, dass man die Kampagne breitflächig unterstützen wolle. So heißt es von Seiten des Unternehmens: „Angesichts der krassen Kommerzialisierung des Fußballs und der Ausbeutung der Fans war es unser Ziel, etwa Gutes für das Spiel zu tun. Es gab wirklich nur eine Marke, die mutig genug war, diesen Schritt zu gehen. Wir sind mehr als begeistert davon, dass PaddyPower mit Save Our Shirt eine klare Position bezieht. Wir glauben, dass diese Idee ein dauerhafter Denkanstoß sein wird.“

Starkes Sponsoring auch ohne Trikotwerbung

Auch ohne Werbung auf den Trikots der Fußballvereine möchte PaddyPower die Unterstützung aber weiter vorantreiben. Aktiv sein wird der Club in der laufenden Saison zum Beispiel auch beim Verein Southend United, der in der League One (zweite englische Liga) aktiv ist. Hier ist man vom Konzept des Glücksspielunternehmens ebenfalls überzeugt. Natürlich nicht zuletzt deshalb, weil es sich auch ohne Trikotwerbung für den Verein um einen denkbar lukrativen Deal handeln dürfte. Werbechef Rhys Ellingham von Southend United bezeichnet die Vereinbarung als „rekordverdächtigen Deal“ und meint damit vor allem die finanzielle Gegenleistung des Glücksspielriesen. Gleichzeitig bewertet Ellingham die Partnerschaft aber auch als großen Sieg für die Fans und alle, die es mit dem Zweitliga-Verein halten. Ähnliche Meldungen gibt es aus Schottland, wo die Briten den Club Motherwell unterstützen. Auch hier ist man begeistert über die Partnerschaft und bezeichnet die Zusammenarbeit mit dem Glücksspielunternehmen als größten Sponsoring-Deal in der Geschichte des Clubs.

Zumindest einige Beteiligte hat der Glücksspielkonzern von seiner neuen Vorgehensweise also schon überzeugen können. Ob die anderen Glücksspielanbieter diesen Weg ebenfalls gehen wollen, ist unklar. Immerhin werden Jahr für Jahr Millionenbeträge an die Vereine überwiesen, damit die Trikotwerbung überhaupt zu sehen ist. Gut vorstellbar, dass einige Buchmacher und Casinos auf diese Art der medialen Aufmerksamkeit nicht verzichten wollen. Dann allerdings ist es ebenfalls vorstellbar, dass sich in den kommenden Monaten der Gesetzgeber einschalten wird.