Gauselmann Gruppe: Konzernchef für Regulierung der Online Casinos

In den letzten Jahren ist der Weg durch die deutsche Glücksspielbranche für die Gauselmann Gruppe deutlich komplizierter geworden. Zahlreiche Hürden in Form von gesetzlichen Regulierungen werden den Unternehmen in den Weg gelegt, gleichzeitig ist die Konkurrenz im Internet in den letzten Jahren quasi täglich gestiegen. Für Firmenchef Paul Gauselmann ist das allerdings kein Grund, ein Verbot der Online-Konkurrenz zu fordern. Stattdessen müsse der Markt reguliert werden, so der Konzernchef. Die Gauselmann Gruppe selbst orientiert sich, wohl auch aufgrund der gesetzlichen Beschränkungen in Deutschland, zunehmend auf das Auslandsgeschäft.

Vieles neu, vieles anders

Als Paul Gauselmann einst die Glücksspielbranche für sich entdeckte, war diese noch nicht ansatzweise mit dem heutigen Markt zu vergleichen. Erst dem Konzerngründer der Gauselmann Gruppe ist es im Prinzip zu verdanken, dass sich die Branche so stark entwickeln konnte. Doch auch als Unternehmen, welches für alle anderen Konzerne einen Grundstein gelegt hat, hat man es heutzutage nicht mehr einfach. Das muss auch Gauselmann anerkennen, der mit seinen mittlerweile 85 Jahren noch immer aktiv im Geschäft seines Konzerns zu finden ist. Für einen Rückzug waren die letzten Monate und Jahren aber ohnehin viel zu abenteuerlich.

Ein großer Gegenspieler ist in Deutschland in den letzten Monaten der Staat geworden. Dieser hat vor allem durch seine technische Richtlinie 5.0 dafür gesorgt, dass der Druck auf die Glücksspielbranche deutlich erhöht wird. Die Entwickler müssen sich an deutlich strengere Vorgaben halten, die unterm Strich Einbußen bedeuten. Wie drastisch diese ausfallen können, erklärt Paul Gauselmann in einem Interview mit der Zeitschrift „GamesundBusiness“: „Und es müssen sogar Spielhallen geschlossen werden, weil sie unter diesen gesetzlichen Bedingungen einfach wirtschaftlich unrentabel sind. Das tut alles weh. Auch uns hat das wehgetan und tut es noch. Aber es nutzt nichts, darüber zu jammern. Wir müssen uns an den Fakten orientieren, die Dinge nehmen, wie sie sind und auf dieser Basis neue Ideen entwickeln.“

Gauselmann gegen ein Verbot von Online Casinos

Eine andere „Bedrohung“ der stationären Betriebe sind die Konkurrenten im Internet. Wie Gauselmann bestätigt, hat seine Firma mehr als 1.000 Casino-Angebote im Internet ausmachen können, die sich speziell an deutsche Kunden richten würden. Auch hier verfolgt der Casino-Mogul allerdings eine klare Einstellung. Und die überrascht. Gauselmann ist nicht etwa für ein Verbot der Online Casinos, sondern spricht sich vielmehr für die Regulierung von modernen Spielformen aus. Allerdings müsse die Regulierung so aussehen, dass die gesamte Branche und nicht nur der Staat von den Spielformen profitieren würde. Gegenüber der Branchenzeitung erklärt Gauselmann: „Darüber kann man jammern. Das ändert aber nichts. Den Kopf in den Sand zu stecken, hat noch nie etwas geholfen. Also müssen wir uns der Sache stellen. Deswegen treten wir ganz klar für die Regulierung des Online-Spiels ein. Aber wir müssen auch zusehen, dass wir – und zwar alle in der Branche und nicht nur der Staat mit Steuern – an modernen Spielformen partizipieren.

Für die Gauselmann Gruppe würden sich auf diesem Wege natürlich noch einmal ganz neue Vertriebsmöglichkeiten ergeben. Die eigenen Spiele, die als Klassiker in der Branche beliebt sind, könnten Online ebenfalls angeboten werden. Bislang allerdings fehlt es eben noch an der dafür notwendigen Regulierung. Was bleibt, sind aktuell also vor allem die Schäden, die durch die technische Richtlinie 5.0 entstanden sind. Um diesen aus dem Weg zu gehen, fokussiert sich auch die Gauselmann Gruppe mehr und mehr auf das Auslandsgeschäft.

Über 300 Millionen Euro Investitionen in 2018

Trotz der Einbußen für die Glücksspielbranche ist der Konzern aus Espelkamp in 2018 so weiterhin gewachsen. Der Umsatz konnte grundsätzlich von 2,04 Milliarden Euro auf 2,41 Milliarden Euro gesteigert werden. Ein Wachstum von immerhin 18,5 Prozent. Und eben hier wird der Blick auf das Auslandsgeschäft so interessant. Der Umsatz in den Ländern fernab der Bundesrepublik legte um beeindruckende 25 Prozent zu und taxierte bei rund 1,38 Milliarden Euro. Damit liegt der Auslandsanteil am Umsatz der Gauselmann Gruppe bei stattlichen 57 Prozent. Jüngst teilten Paul Gauselmann und sein Stellvertreter Armin Gauselmann mit :“Die Emanzipation vom wichtigen Heimatmarkt Deutschland hat sich weiter fortgesetzt.“ Zugelegt hat darüber hinaus auch die Größe der Belegschaft. 915 neue Arbeitskräfte wurden eingestellt, so dass weltweit nun 13.395 Menschen für den Konzern arbeiten. Hier allerdings ist Deutschland weiterhin führend und stellt mehr als 7.800 Arbeitsplätze.

Wie wichtig dem Konzern das Wachstum außerhalb der Bundesrepublik ist, zeigen auch die Investitionen ins Ausland im vergangenen Jahr. 2018 wurden hier 35 Prozent mehr als im Jahr 2017 investiert.Insgesamt eine Summe von 309 Millionen Euro. Erworben hat die Gauselmann Gruppe für diese Summe mehrere Unternehmen im Ausland. Darunter zum Beispiel den größten Sportwetten-Anbieter aus dem deutschen Nachbarland Polen. Angesichts der enormen Erfolge im Ausland dürften die Investitionen im Jahr 2019 ebenfalls wieder auf einem kräftigen Niveau liegen. Ob die starke Summe von 309 Millionen Euro erneut getoppt werden kann, bleibt jedoch erst einmal abzuwarten. Ebenso die möglichen Entwicklungen rund um die Regulierung des Online-Spiels.