Schweiz: Härtere Hand gegen illegale Anbieter gefordert

Seit wenigen Monaten ist das Glücksspiel in der Schweiz wirklich exklusiv den heimischen Unternehmen vorenthalten. Sowohl stationär als auch online dürfen ausschließlich die Unternehmen ihre Spiele zur Verfügung stellen, die aus der Schweiz stammen und eine passende Lizenz der Behörden erhalten haben. Eigentlich soll diese Lizenz den sicheren Spielbetrieb in geordnete Bahnen lenken. Doch es sind noch immer illegale Anbieter aktiv. Und genau gegen die sollen die Schweizer Behörden in den Augen der heimischen Branche noch deutlich energischer vorgehen.

Noch immer zu viel Geld durch „illegale Kanäle“

Bereits im letzten Jahr haben die Eidgenossen in der Schweiz dafür gestimmt, den heimischen Online-Glücksspielmarkt auch wirklich nur den heimischen Anbietern zugänglich zu machen. Die Behörden führen entsprechende Sperrlisten, mit denen Anbieter ohne passende Lizenz für die Alpenrepublik vom Markt ausgeschlossen werden sollen. Mithilfe der Internetprovider werden die Zugänge gesperrt, so dass Besucher einen Warnhinweis angezeigt bekommen. Doch der Einsatz der Schweizer Behörden ist der Glücksspielbranche selbst offenbar nicht engagiert genug.

Jüngst bemängelte der CEO der Stadtcasino Baden AG, Detlef Bose in einem Interview, dass auf Seiten der Behörden ein noch strengeres Vorgehen gegen die illegalen Anbieter erforderlich sei. Noch immer würde es zu viele illegale Anbieter geben, durch die das Geld der Schweizer durch „illegale Kanäle“ ins Ausland fließe. Im Detail erklärte Bose: „Auch nach dem Geldspielgesetz fließen jährlich hunderte von Millionen Franken durch illegale Kanäle ab. Wir erwarten, dass Politik und Exekutive nun endlich viel stringenter gegen diese Kriminellen vorgehen. Zudem bin ich der Meinung, dass die darauf bezogenen Strafbestimmungen im jetzigen Glücksspielgesetz viel härter hätten sein müssen.“

Experte bemängelt schwierige Situation für Schweizer Casinos

Bose sagte zudem, dass man dem illegalen Markt nur mit einem attraktiven legalen Angebot wirklich Konkurrenz machen könne. Dafür allerdings fehle es an den notwendigen Rahmenbedingungen auf Seiten des Gesetzgebers. Das führt in den Augen des CEOs wiederum dazu, dass die einheimischen Anbieter gegenüber der ausländischen Konkurrenz deutlich im Nachteil seien. Beispiele nannte Bose hierfür ebenfalls. So könne man zum Beispiel kein attraktives Spielangebot online ins Leben rufen, da der Gesetzgeber die Anzahl der Spiele derzeit noch stark beschränkt. Bose und seine Stadtcasino Baden AG betreiben das erste Online Casino der Schweiz, welche vom Grand Casino Baden vor einigen Monaten ins Leben gerufen wurde. Mittlerweile sind noch zwei weitere Spielbanken mit ihren Online-Angeboten auf dem Markt vertreten, wobei dies jedoch noch keinen Vergleich zu den zuletzt mehreren hundert Anbietern aus dem Ausland darstellt.

Ebenso wird bemängelt, dass die Einführung neuer Spiele mit einem enormen Aufwand verbunden sei. Jedes einzelne Casinospiel müsse zunächst durch die Eidgenössische Spielbankenkommission geprüft werden. Dieser Prozess zögere sich allerdings nicht selten über mehrere Monate. Darüber hinaus sei dieser mit enormen Kosten für die Casinos verbunden. Anbieter aus dem Ausland wiederum gewinnen hierdurch einen zeitlichen Vorsprung. Nicht selten, so Bose, seien die Spiele dann schon wieder vom Markt, bevor ein Schweizer Anbieter sie überhaupt veröffentlichen darf. Profitieren würden die Anbieter aus dem Ausland zudem durch eine deutlich geringe Glücksspielabgabe als in der Schweiz.

Aufwendige Investitionen bisher noch ohne großen Erfolg

Spiele überhaupt an den Start zu bringen, war für die Schweizer Spielbanken lange Zeit die größte Herausforderung. Keine Spielbank kommt hier ohne die Unterstützung eines externen Unternehmens aus, welches die Spiele für das Casino entwickelt. Diese Unternehmen wollen natürlich bezahlt werden. Zusätzlich dazu gibt es laut Bose aber noch ein anderes Problem. Live-Spiele, die von echten Dealern und Dealerinnen per Webcam angeboten werden, hätten den behördlichen Prüfungsprozess bisher noch nicht gemeistert. Bis diese Spiele, die natürlich trotzdem bereits entwickelt wurden, verfügbar sind, dürfte also noch eine Menge Zeit vergehen. Bis dahin bleiben die Entwicklungen in diese Richtung für die Casinos ein schmerzliches Franken-Grab.

In der Tat stellt sich die Frage, ob die Spielbankenkommission mit der derzeitigen Richtung wirklich einen guten Weg beschreitet. Die ausländische Konkurrenz darf zwar offiziell nicht mehr angesteuert werden, dennoch stehen die Angebote oftmals noch problemlos zur Verfügung. So lange die einheimischen Anbieter hier bei der Attraktivität nicht mithalten können, wird es schwer, den Spieler auf diesen Weg zu bringen.