Glücksspiel: BAV wehrt sich gegen Vorwürfe von Suchtforschern

Erst vor wenigen Wochen wurde das sogenannte „Jahrbuch Sucht 2019“ präsentiert, welches alljährlich die Süchte der Menschen in Deutschland genauer unter die Lupe nimmt. Immer ein Thema ist dabei auch die Spielsucht, die aber zum Beispiel deutlich hinter Alkoholsüchten oder Drogensüchten zurückhängt. Dennoch hat der Suchtforscher Dr. Gerhard Meyer im Namen der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) scharfe Kritik an der Automatenindustrie geäußert. Diese Vorwürfe entkräftet nun der Bayerische Automaten Verband.

Scharfe Kritik: Umgehen der Gesetzgebung?

Die Vorwürfe von Professor Dr. Gerhard Meyer im Namen der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen haben es durchaus in sich. So erklärte dieser im Rahmen der Veröffentlichung des „Jahrbuch Sucht 2019“, dass die Glücksspielindustrie die Spielverordnung umgehe und durch technische Tricks die geltende Gesetzgebung aushebele. Das wiederum würde bedeuten, dass die gesetzlichen Vorgaben von der Branche vollständig ignoriert werden würden. Eine heftige Kritik, die jetzt vom Bayerischen Automaten Verband (BAV) auch entschieden zurückgewiesen wird. So erklärt der BAV-Vorsitzende Andy Meindl: „Das gewerbliche Automatenspiel ist der mit Abstand am strengsten regulierte Bereich im gesamten deutschen Glücksspielmarkt. Alle Unternehmer der Automatenwirtschaft müssen ihre Geräte vor der Inbetriebnahme einer Prüfung durch die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) unterziehen. Erst wenn die PTB attestiert, dass die Geräte sämtliche spielrechtliche Eckdaten und damit alle gesetzlichen Anforderungen und Vorgaben erfüllen, erfolgt die Zulassung.“

Darüber hinaus weist Meindl darauf hin, dass die Spielverordnung in Deutschland erst im November 2018 überarbeitet wurde und die gewerblichen Geldspielgeräte nun einen noch größeren Spielerschutz bieten müssen. Der maximale Stundenverlust wurde von 80 Euro auf 60 Euro gesenkt, der maximale Gewinn ebenfalls von 500 Euro auf 400 Euro pro Stunde herabgesetzt. Ebenso können Spieler in den Geräten nur noch maximal zehn, statt der bisherigen 25 Euro im Geldspeicher zur Verfügung haben.

Nicht alle Gesetze sinnvoll

Kritik übt der BAV in diesem Zusammenhang auch am Gesetzgeber, da erklärt wird, dass nicht alle Gesetze im Sinne des Spielerschutzes als sinnvoll erachtet werden können. So würden viele Spieler aufgrund der Änderungen mittlerweile im illegalen Glücksspiel aktiv sein, auch wenn diese zuvor noch am legalen Spielbetrieb teilgenommen hätten. Das wiederum könne nicht im Sinne des Gesetzgebers und der Glücksspielverordnung sein, der sich in den Augen der BAV aktuell zahlreiche Spieler entziehen und somit die organisierte Kriminalität unterstützen würden. Deutlich schärfer reguliert werden sollte in den Augen des Verbands hingegen das Internet-Spiel. So ergibt eine Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, dass der Anteil der Internet-Spieler in den Jahren von 2015 bis 2017 exorbitant um 345 Prozent angestiegen ist. Ebenso würde die Studie aufzeigen, dass fast 27 Prozent der Internet-Spieler mindestens ein problematisches Spielverhalten aufzeigen würden.

Im gewerblichen Geldspiel wiederum sei der Anteil der pathologischen Spieler im gleichen Zeitraum um knapp 40 Prozent gesunken, was in den Augen des BAV deutlich aufzeigt, dass die gesetzlichen Beschränkungen greifen würden. Demnach hätten in 2017 gut 92 Prozent der Spieler vollkommen problemfrei am gewerblichen Glücksspiel teilgenommen. Für Meindl und den BAV ist damit klar, dass vom gewerblichen Glücksspiel definitiv nicht die größte Gefahr in der Bundesrepublik ausgeht. Im Gegenteil. Andy Meindl erklärt: „Die Unterstellung von Professor Meyer weise ich mit aller Entschiedenheit zurück. Das gewerbliche Spiel in Spielhallen und Gaststätten ist das sicherste Automatenspiel in Deutschland und unterscheidet sich hier signifikant von vergleichbaren Angeboten in Internet-Casinos oder vom illegalen Spiel in Hinterzimmern. Die Aufstellunternehmer des gewerblichen Automatenspiels repräsentieren ein legales, geschütztes und gesetzlich reguliertes Spiel von maximaler Qualität und Transparenz und halten sich strikt an die umfassenden gesetzlichen Vorgaben.“

BAV fordert tragfähige Rahmenbedingungen

In seiner Erklärung fordert der Bayerische Automaten Verband vom Gesetzgeber künftig eine klare und „tragfähige gesetzliche“ Gesetzgebung. So seien in den letzten Jahren zahlreiche Spieler in das illegale Spiel abgewandert, welches vom Gesetzgeber vollkommen ungeschützt geduldet werde. Der BAV erklärt, dass die legalen Anbieter künftig maximal gestärkt werden müssten, was vorrangig durch eine Eindämmung der illegalen Spielangebote erreicht werden könne. In wie weit auf diese Stellungnahme des Verbandes noch einmal eine Antwort erfolgt, ist unklar. Fest steht jedoch, dass der BAV den Nagel der Kritik bei der mangelnden Regulierung in Deutschland auf den Kopf getroffen hat.