Campione: Hoffnung auf Wiedereröffnung des Casinos

Am 27. Juli 2018 musst das weltbekannte Casino in Campione d’Italia auf Grund einer Insolvenz geschlossen werden. Das war nicht nur für alle Beschäftigten ein harter Schlag, sondern auch für die kleine Gemeinde am Luganersee, deren Existenz vom ansässigen Casino abhängig ist. Bis jetzt hat sich rund um den ehemaligen Spielbanken-Giganten nach der Schließung nur wenig getan. Das dürfte sich jedoch zügig ändern, denn noch in diesen Tagen soll ein außerordentlicher Kommissar aus Rom sich der Sache annehmen – und in Campione beginnt das große Hoffen auf Unterstützung aus der Hauptstadt.

Beschäftigte harren täglich vor dem Casino aus

Das Casino Campione am Luganersee ist ein beeindruckendes Gebäude und überstrahlt allein durch seine Größe alle anderen Gebäude in der Region. Das muss auch so sein, schließlich fanden hier in alten Tagen, in denen die Spielbank noch geöffnet war, mehrere Tausend Spieler gleichzeitig Platz. Als Europas größtes Casino ging die Spielbank in die Geschichte ein, mittlerweile sind die Türen seit über 170 Tagen geschlossen. Am 27. Juli 2018 verkündete die Casinoleitung die Schließung, da die Spielbank mit ganzen 90 Millionen Euro in den Miesen stand. Ein herber Rückschlag für alle Beteiligten, insbesondere natürlich für die Angestellten.

Diese erinnern seit jenem Tag ununterbrochen an die Schließung des Casinos und haaren täglich mit Informationsständen vor den Türen ihres ehemaligen Arbeitgebers aus. Erhöht wird so auch der Druck auf die Hauptstadt Rom, von der sich die kleine Enklave mehr Unterstützung wünscht. Fest steht: Alleine und ohne fremde finanzielle Mittel wird Campione den Casino-Komplex kaum wieder mit Leben füllen können. Genau das wäre aber enorm wichtig, da laut Schätzungen zufolge knapp die Hälfte der Einwohner des Ortes vom Konkurs des Casinos betroffen sind.

Rom müsste ein Dekret für die Unterstützung erlassen

Enttäuscht sind die Einwohner Campiones bis dato vor allem von der Regierung in Rom. Diese hätte angeblich im Dezember noch erklärt, dass Casino rasch wieder eröffnen zu wollen – so zumindest die allgemeine Meinung in Campione. Zu spüren ist davon bisher allerdings nichts und so fühlt sich die Enklave auch deshalb von ihrer Hauptstadt im Stich gelassen. Allerdings: Rom müsste ein Dekret verabschieden, mit dem ein bestehendes Gesetz geändert werden kann. Vorgesehen ist nämlich, dass eine staatliche Gesellschaft, und das ist das Casino in Campione gewesen, nach einem Konkurs erst nach Ablauf einer Frist von fünf Jahren wieder aktiv werden darf. Bis dieses Gesetz nicht aus den Angeln gehoben wurde, dürfte es mit der Unterstützung für den kleinen Ort also schlecht aussehen.

Immerhin: In diesen Tagen wird ein außerordentlicher Kommissar am Luganersee eintreffen, der sich um eine Wiedereröffnung des Casinos bemühen soll. Dieser hat offiziell die Aufgabe, innerhalb von 45 Tagen nach einer Gesellschaft zu suchen, die bereit ist, das insolvente Casino wieder neu zu eröffnen. Zumindest ein kleines bisschen Hoffnung kehrt mit dem Kommissar also nach Camoione zurück.

Unglückliche Lagen bei einigen Ex-Angestellten

Aufgrund seiner besonderen Lage am Luganersee als italienische Enklave hat die Insolvenz für die ehemaligen Angestellten ganz unterschiedliche Folgen. Ausgesprochen sind die Entlassungen mittlerweile in allen Fällen, allerdings profitieren nicht alle ehemaligen Angestellten gleichermaßen von Sozialleistungen. Die Einwohner Campiones zum Beispiel müssten eigentlich durch das Institut für soziale Vorsorge betreut werden. Diese Entschädigung gibt es aber nur, wenn der Arbeitgeber alle Forderungen des Personals zahlen konnte – und das ist im Falle der Spielbank nicht gegeben. Ein anderer Teil, knapp 120 ehemalige Angestellte, profitiert von seiner Wohnlage im Tessin. Hier greift die Schweizer Arbeitslosenklasse und sorgt so dafür, dass es einem kleinen Teil der ehemaligen Angestellten deutlich besser geht.

Geld fehlt in Campione aber ohnehin an allen Ecken und Enden. Die Enklave profitierte jahrelang vom regen Betrieb im Casino und wurde auf Grund einer gesetzlichen Regelung, die vorsah, einen Teil der Gewinne für die Schule, Gesundheit, Verwaltung und soziale Kosten zu nutzen, zu einer der reichsten Gemeinden Italiens. Davon ist allerdings nichts mehr übrig, da mit dem Konkurs des Casinos natürlich auch leere Gemeindekassen verbunden sind.Einen Bürgermeister gibt es hier nicht mehr, die Angestellten der Gemeinde haben schon seit einem Jahr kein Geld mehr erhalten. Gleichzeitig musste ein Kindergarten schließen, ohne die Hilfe aus Tessin wäre die Gemeinde vermutlich schon verloren. Unterm Strich bleibt also nur zu hoffen, dass der außerordentliche Kommissar aus Rom jetzt dafür sorgen kann, dass der klammen Gemeinde und dem bankrotten Casino möglichst schnell geholfen werden kann. Ein paar Bedingungen haben die ehemaligen Angestellten allerdings auch. Sie fordern zum Beispiel, dass sie ohne Einschränkungen wieder an ihren alten Arbeitsplatz zurückkehren dürfen.