Craps - online oder live
Niemand als der individuelle Spieler selbst kann für sich selbst entscheiden, ob er lieber aktiv einem Casinospiel beiwohnt oder ob er es vorzieht, ungeachtet seiner Aufmachung dem Freizeitvergnügen seiner Wahl von seinem Monitor aus zu folgen. Das Argument, nach einem Spielkasinobesuch und entsprechendem Gewinn sei er mit dem gewonnenen Bargeld einer Gefahr ausgesetzt, ist tatsächlich keines – können doch sämtliche Gewinne bargeldlos verrechnet werden. Somit kann dieser Text die Frage nicht wirklich lösen, für wen, zu welchem Zeitpunkt und ob überhaupt das Online-Spiel oder der tatsächliche Besuch in einem Spielcasino im Wettstreit miteinander sind, rational nach Vor- und Nachteilen abzuwägen sind oder lediglich völlig unterschiedliche Zielgruppen ansprechen.
Der simulierte Monitor-Würfel
Als Beispiel sei im
Folgenden das Würfelspiel ("Craps") herbeizitiert –
nach
welchen Kriterien mögen hier Spieler ihre Ortsentscheidung treffen?
Craps ist spannend und verläuft schnell – gerade hier kann sich
eine Art Euphorie einstellen. Auch Craps teilt mit nahezu allen im
realen Casino vorhandenen Spielen ein gemeinsames Schicksal: Man kann
es online spielen. Auch hier ergibt es sich als Vorteil für den
Spieler, die Spielregeln im Voraus zu kennen. Diese sind zumeist
online geordnet und übersichtlich abrufbar. Tatsächlich
unterscheidet sich vor allem eines zwischen der realen und der
virtuellen Alternative: Die materiellen Gegebenheiten. Im Casino wird
"zum Anfassen" gespielt – online geht es um eine
Alternative von vielen, einer Bildschirmsimulation zu folgen.
Alleine oder
gemeinsam?
Im Grunde ist die Frage, ob diese Personen Online-Spiele bevorzugen und jene den tatsächlichen Besuch in der Spielbank vorziehen, eine tief greifendere. Nämlich es spielt hier die Einsicht eine Rolle, dass der Hang, Casinospielen zu folgen, aus zwei nahezu gegensätzlichen Richtungen motiviert sein kann. Denn die Gemeinschaft der Casino-Anhänger besteht entweder aus Einzelgängern (nämlich jenen, die den heimischen Monitor als Schauplatz ihrer Vorliebe vorziehen) oder aus denen, die eher einer geselligen Neigung nachgeben und sich in den Räumlichkeiten der Spielhallenbetriebe unter ihresgleichen wohler fühlen. Diese Unterscheidung der Gruppen und Absichten berührt nicht nur das Würfelspiel – sondern geradezu jedes Casinospiel, welches gleichzeitig real und virtuell angeboten wird. Für jenen Teilnehmer, der im Spiel das Vergnügen sucht und finden kann, ist letzten Endes die Art des konkreten Spieles unerheblich. Anders gesagt: Er entscheidet sich nicht für "Poker", "Craps" oder anderes, sondern er entscheidet sich für das "soziale Ereignis" oder einen Ablauf, den er über seinen Computer zu steuern vermag und der ihn gleichzeitig in seiner Geschicklichkeit und Reaktionsschnelligkeit unterstützt und schult. Selbstverständlich können auch beide Formen desselben Spiels einander ergänzen: Der Teilnehmer, dem es daran liegt, auf einer "sozialen Bühne" überzeugend, selbstsicher und in einer gewissen Weise routiniert aufzutreten, tut gut daran, sich für einen öffentlichen "Casino"-Auftritt vorzubereiten. Sprich: Online (auch Craps) üben und im realen Leben geübt auftreten.
Craps – das Würfelspiel wurde auch bereits als Kartenspiel gespielt. Diese Variante gibt es: Die Karten tragen die Abbildungen der Würfelseiten. Allein dieses Material zeigt es bereits: Gedacht und erfunden waren Würfel- und Kartenspiele stets als Form der reellen Geselligkeit. Menschen treffen sich, amüsieren sich, erfreuen sich und begegnen sich im Unernst, d. h. im reinen Spiel als Kontrast zum Alltag. Dies kann sicherlich so das Internet nicht ersetzen – jedoch ist es ein Medium, welches den Weg der modernen, der gegenwärtigen Gesellschaft rahmt.